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Kinderärzte in Eritrea

„Was kann ein Kinderarzt hier Nachhaltiges tun?“ Ein Frage, die wohl alle Kinderärzte beschäftigt, die für einen Kurz-Einsatz mit einer Hilfsorganisation nach Afrika reisen. Denn vorübergehend einzelnen Kindern zu helfen, das ist uns nicht genug.

Unser erster Kontakt mit der Orotta Kinderklinik in Asmara brachte Antworten. Bis vor kurzem kämpften hier vier altgediente Kinderärzte allein für die pädiatrische Versorgung der über 2 Millionen Kinder und Jugendlichen im Land.

Schlechte räumliche Verhältnisse, Mängel in der Hygiene, Ambulanzbetrieb in einer  alten Wellblechbaracke ohne einfachstes diagnostisches Gerät, eine Notaufnahme ohne Beatmungshilfen, Überwachungsgeräte und Möglichkeiten für Intensivtherapie, allgemeiner Bettenmangel und minimale technische Ausrüstung der Stationen, das sind die Rahmenbedingungen ihrer Arbeit.

Seit Jahren ist von italienischer Seite ein Neubau der Kinderklinik versprochen, aber über die Grundsteinlegung nicht hinaus gekommen.

Einen Lichtblick brachte vor 3 Jahren ein amerikanisch-eritreisches Weiterbildungsprogramm für die Ausbildung neuer Kinderärzte. Die ersten acht haben bereits ihre Facharztprüfung bestanden und sind jetzt auf die Regionalhospitäler im ganzen Land verteilt, wo sie die Kinder- und Jugendmedizin aufbauen sollen.

Ein gespendetes Sonographiegerät ermöglichte uns im Herbst 2009 mit einer Sonographieschulung einen kleinen Beitrag zu ihrer Ausbildung zu leisten. Denn einfache Sonografie-Geräte gibt es in vielen  Krankenhäusern für die Geburtshilfe; warum sollten sie nicht ebenso für die Kinder genutzt werden?

Auch mit aktuellen englischen Fachbüchern ließ sich einfach und effektiv die Ausbildung der eritreischen Kollegen unterstützen. Geräteeinweisungen durch unsere erfahrenen Kinderkrankenschwestern, Reanimationstrainings für Ärzte und Mitarbeiter sind für die kommenden Einsätze geplant. Vielleicht am wichtigsten sind jedoch die kinderärztlichen Fallbesprechungen am Krankenbett. Diese haben einen herzlichen kollegialen Kontakt geschaffen, der es nun möglich macht, gemeinsam nach Verbesserungen der kinderärztlichen Versorgung zu suchen, in Asmara selbst, wo eine Renovierung der Notfallaufnahme in Planung ist, und künftig auch in den Provinz-Krankenhäusern, in denen die jungen Kinderärzte unter z.T. schwierigsten Bedingungen arbeiten.

Im Provinz-Hospital Keren trägt diese Kinderärzte-Partnerschaft bereits erste Früchte. Mit dem eritreischen Kinderarzt Dr. Meroni haben wir Möglichkeiten gefunden, seine Arbeit zu unterstützen. Im Herbst 2010 werden wir in seiner Kinderabteilung mit Renovierungen beginnen und u.a. Elektrik, Sauerstoff und Druckluft installieren. Für kranke Neugeborene, die bisher kaum versorgt werden konnten, soll ein Neonatologie-Raum entstehen, mit Inkubatoren, Wärmebettchen und Apparaten zur Überwachung und Reanimation. Hier werden unser Neonatologe Dr. Rainer Uhlig und erfahrene Kinderkrankenschwestern aus Lippstadt die eritreische Schwestern weiterbilden, die später in der geplanten neuen Neugeborenenstation in Keren (link: Neonatologie Keren) qualifizierte Arbeit leisten sollen.

Was also kann ein Kinderarzt in Eritrea Nachhaltiges tun? Er kann die eritreischen Kinderärzte und Kinderkrankenschwestern in ihrer täglichen Arbeit unterstützen, durch Ausbildung, Medizintechnik und geeignete Infrastruktur. Und durch kollegiale Wertschätzung ihres engagierten Einsatzes für die Kinder - unter den so viel schwierigeren Bedingungen als bei uns.

Dr. Bodo Hage                     Dr. Matthias Röbbelen